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Altpreußische Sprache
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Die altpreußische Sprache (Eigenbezeichnung: PrĆ«siaku kalbas; PrĆ«siskai Adv. ‚auf Altpreußisch‘) ist eine ausgestorbene baltische Sprache, die von den Prußen gesprochen wurde. Sie steht als bekannteste Vertreterin des westbaltischen Zweigs den ostbaltischen Sprachen gegenĂŒber, zu denen das heutige Litauisch und Lettisch gehören. Das Altpreußische gilt noch mehr als das Litauische als eine der indogermanischen Sprachen, die besonders archaische ZĂŒge bewahrt haben.

Contents

‱ Dialekte
‱ Substantive
‱ Adjektive
‱ Verben
‱ Weblinks
‱ Literatur
‱ Namenkunde
‱ Weblinks

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UrsprĂŒngliche Situation

Altpreußisch wurde von den Prußen, einem westbaltischen Volksstamm im spĂ€teren Ostpreußen – SĂŒdwestlitauen, Russland (Kaliningrad) und in Nordpolen (Ermland und Masuren) – gesprochen. Durch die Eroberung wurde infolge des Krieges zwischen Prußen und Deutschordensrittern sowie teilweiser Zugehörigkeit zur Kronschaft Polen die altpreußische Sprache zurĂŒckgedrĂ€ngt und verlor zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert ihre Sprecher. Von Einfluss war auch die Anpassung an deutsche, in einigen Gegenden auch litauische und polnische Zuwanderer.

Seit dem 18. Jahrhundertcite-ref-1[1] ist die altpreußische Sprache als eigenstĂ€ndige Sprache ausgestorben, da immer mehr ostpreußische Mundarten des Ostniederdeutschen und Ostmitteldeutschen benutzt wurden oder Masurisch und Litauisch (vgl. Preußisch-Litauen), seltener auch Nehrungskurisch. Es gibt Gemeinschaften in Litauen, Polen und anderen LĂ€ndern, die sich fĂŒr eine Wiederbelebung des Altpreußischen einsetzen.

Überlieferung

Das Altpreußische ist nur in wenigen Quellen vom 14. bis zum 16. Jahrhundert ĂŒberliefert. Die wichtigsten sind das Elbinger deutsch-preußische Vokabular und drei Katechismen. Das Altpreußische wurde mit lateinischem Alphabet aufgezeichnet, welches die altpreußische Aussprache nur unzureichend wiedergibt. Die Schreibweise der Texte folgte zeitgemĂ€ĂŸ keiner verbindlichen Rechtschreibung.

Das Basler Epigramm ist sowohl das Ă€lteste preußische als auch Ă€lteste baltische Sprachdenkmal und findet sich in einem Codex aus dem Jahre 1369, der in Prag geschrieben wurde.

Kayle rekyse. Thoneaw labonache thewelyse. Eg koyte poyte nykoyte penega doyte.
Zum Wohl, Herr. Du bist kein gutes Onkelchen. Wenn du trinken willst, willst du kein Geld ausgeben.cite-ref-2[2]

Dieser in Reimform verfasste Trinkspruch (OPr. TB-englische wissenschaftliche Notation fĂŒr Altpreußischer Text B), wahrscheinlich aus dem studentischen Milieu, wurde als Randbemerkung in einem auf Lateinisch verfassten Manuskript in der Basler UniversitĂ€tsbibliothek 1974 entdeckt.cite-ref-3[3] Der Autor war vermutlich ein preußischer Student, der in Prag studierte.

Das Elbinger deutsch-preußische Vokabular (OPr. EV) enthĂ€lt 802 Wörter nach Sachgruppen geordnet. Die deutschen Wörter sind in einem ostmitteldeutschen Dialekt geschrieben, die altpreußischen Wörter werden dem pomesanischen Dialekt zugeordnet. Das Vokabular wurde um 1400 per manus Petri Holcz Weƿƿcher De mai’enBurg (von Hand des Peter Holz Wesscher aus Marienburg) wohl fĂŒr juristische Zwecke verfasst und kam 1868 in den Besitz der Stadt Elbing, ging aber im Zweiten Weltkrieg verloren. Es handelt sich hierbei um eine Abschrift einer Ă€lteren Abschrift, wodurch sich einige Fehler erklĂ€ren lassen. So werden besonders /t/ und /c/ hĂ€ufig verwechselt. Das Wort menig »Mond« wird als Verschreibung einer Abbreviatur gedeutet, das fĂŒr *menius stand, was wiederum vermutlich korrektes *menins des Originals wiedergibt, wozu auch lettisch mēness, »Mond« exakt passt.cite-ref-4[4]

Im Jahr 2013 identifizierten Linguisten einen seit lĂ€ngerem bekannten Einschub in obskurer Sprache, den Kretischen Kurztext als altpreußisch (OPr. TC) in einer Handschrift der Logica parva von Paulus Venetus, die etwa 1420–1440 in der venezianischen Kolonialstadt Canea auf Kreta entstand und bis zu ihrer Versteigerung 2012 in der Public Library von Wigan lag. Die Zuordnung als altpreußischer Kurztext ist heute allgemein anerkannt, die Übersetzung wird noch diskutiert. Es könnte ein Sinnspruch oder Sprichwort aus dem landwirtschaftlich-folkloristischen Bereich, eventuell mit Anspielung auf die Jahreszeiten oder auf zwei magisch besetzte BĂ€ume gewesen sein:

Atonaige maian meilan am ne wede maian wargan.
Thaure ne stonais po pievssen abdolenai galai regai.
Stonais po leipen zaidianten acha peda bete medde.

Heute akzeptierter, aber noch nicht vollstĂ€ndig ĂŒbertragener Inhalt nach dem Prager Baltisten und Slawisten Ilja LemeĆĄkin (weiterhin diskutierte Passagen kursiv):
Wenn sich der Auerochse drehen will, wird er sich nicht zum Falschen drehen (?). / Es drĂ€ngt ihn nicht, sich unter die Kiefer zu stellen, wo sein Gehörn gesenkt wird (?). / Er stellt sich unter die blĂŒhende Linde, wo die Bienen Honig schenken.cite-ref-5[5]

Der Urheber des Kurztextes war möglicherweise der Mönch und Kopist, der als Petrus Wickerau almanice nationis („deutscher Herkunft“, was im mediterranen Horizont nicht sehr genau genommen wurde) unterschrieb. Es wird aber diskutiert, dass der eigentliche Urheber der in Prag ausgebildete Kleriker Petrus Turnau war, der sich 1422 im venezianischen Franziskanerkloster von Canea aufhielt.cite-ref-6[6] Turnau, spĂ€ter Schulrektor in Speyer, wo er 1426 aufgrund seiner Neigung zu den Hussiten als Ketzer hingerichtet wurdecite-ref-7[7], stammte aus Tolkemit in Preußen.cite-ref-8[8]

Eine rund 100 Lexeme umfassende Wörterliste stammt von dem Mönch Simon Grunau (OPr. Gr.) aus der Zeit zwischen 1517 und 1526. Da sie sehr fehlerhaft ist, wird sie von der Forschung nur mit Vorbehalt benutzt.

Aus der Reformationszeit sind dann drei Katechismen erhalten, die unter Albrecht von Brandenburg-Ansbach angelegt wurden. Die Übersetzungen des Lutherischen Kleinen Katechismus (OPr. Catechisms (I, II, Ench.)) erschienen 1545 (I. und II. Katechismus) und 1561 (III. Katechismus, auch genannt „Enchiridion“) in Königsberg. WĂ€hrend der I. und II. Katechismus von unbekannten Verfassern stammen, Drucker war Hans Weinreich, kann fĂŒr den III. Katechismus Abel Will, Pfarrer an der Kirche Pobethen (russisch: Romanowo) als Verfasser mit Hilfe des bĂ€uerlichen Baltisch-Übersetzers (Tolken) Paul Megot(t) benannt werden. Dieses Enchiridion ist fĂŒr die Erforschung des Altpreußischen aufgrund des grĂ¶ĂŸeren Umfangs von ĂŒber 50 Seiten und der Markierung von Intonations- und AkzentverhĂ€ltnissen besonders wichtig, das wertvollste Fragment zur Erforschung des Altpreußischen. Die drei Katechismen werden dem samlĂ€ndischen Dialekt zugeordnet. Besonders im Enchiridion machen sich jedoch deutliche deutsche EinflĂŒsse bemerkbar.

Neben den drei Paternostern dieser Katechismen ist noch der 1938 entdeckte Anfang eines vierten altpreußischen Paternosters (15. Jahrhundert) bekannt. Die von anderen Autoren stammenden angeblich altpreußischen Paternoster sind entweder korrumpiertes Lettisch oder Litauisch.

Das SudauerbĂŒchlein (16. Jahrhundert) enthĂ€lt mehrere SprĂŒche aus dem Volkstum bezĂŒglich Hochzeit und Totenritual. Die Sprache ist aber die dem Prußischen nahe stehende westbaltische Jatwingische Sprache, ebenso wie die Sprache des 1978 entdeckten Wörterverzeichnisses mit 215 Wörtern PogaƄske gwary z Narewu. Nach den SudauerbĂŒchlein verabschiedet sich die Braut vor dem Verlassen des elterlichen Hauses unter anderem vom hĂ€uslichen Feuer mit den Worten: Ohow mey myle swennte panike! O mein liebes heiliges fewerlein! Trifft der Wagentreiber mit der Braut beim BrĂ€utigam ein, rufen die Leute: Kellewese perioth, der treiber kompt! Mit verbundenen Augen wird die Braut vor die HaustĂŒr gefĂŒhrt und aufgefordert, sie mit dem Fuß aufzustoßen: trencke trencke, stos an, stos an.

Der Verstorbene wird nach der Aufbahrung angesprochen mit: kayls naussen gingethe, ich trincke dir zu, unser freund. Beim Leichenzug werden Geister vertrieben mit den Worten: begeyte begeyte peckolle, laufft laufft ir teuffel!, und zum JahresgedĂ€chtnis ist der Trinkspruch kayls posskayls eins peranters ĂŒberliefert, was »Zum Wohl und zum Wohl, einer nach dem andern!« bedeutet.

Diese SprĂŒche werden der Sprachform der Jatwinger zugeordnet. Da das SudauerbĂŒchlein in vielen Abschriften bekannt ist und auch von Johannes Maletius verarbeitet wurde, sind die SprĂŒche in verschiedenen teilweise stark derben Formen ĂŒberliefert.

Ein altes Sprichwort findet sich im Onomasticum von Leonhard Thurneysser aus dem Jahre 1583:

Deves does dantes. Deves does geitka.
Gott gibt ZĂ€hne, Gott gibt Brot.

Dieses Sprichwort entspricht dem bekannten litauischen Sprichwort: Dievas davė dantis. Dievas duos ir duonos. »Gott gab ZĂ€hne, Gott wird auch Brot geben.« Es wurde seit dem 18. Jahrhundert in Sanskrit, Latein und Altgriechisch ĂŒbertragen, um die indogermanische Verwandtschaft des Baltischen zu demonstrieren.

Einzelne Begriffe und Glossen stammen aus diversen Dokumenten und es gibt drei ĂŒberlieferte Varianten des Vaterunser. Weiterhin ist das ĂŒberlieferte Namenmaterial, besonders Ortsnamen, von großer Bedeutung fĂŒr die Erschließung der Sprache.

Dialekte

FĂŒr das ĂŒberlieferte Altpreußische sind zwei Dialekte gut greifbar: das Pomesanischecite-ref-9[9] und das SamlĂ€ndischecite-ref-10[10]. Im Lautlichen sind typisch: pom. ē neben saml. Ä« (sweta- : swÄ«ta- »Welt«); pom. ƍ, saml. Ć« nach Labial (mƍthe : mĆ«ti »Mutter«) oder pom. ƍ, saml. ā (tƍwis : tāws »Vater«; brƍte : brāti »Bruder«), was sich in der Nominativendung der femininen ā-StĂ€mme auswirkt (crauyƍ : krawia »Blut«). Die Nominativendung der maskulinen o-StĂ€mme sind im Pomesanischen zu -is abgeschwĂ€cht, im SamlĂ€ndischen synkopiert (deywis : deiws »Gott«). WortschatzfĂ€lle sind pom. smoy, saml. wijrs »Mann«; pom. wayklis, saml. soĆ«ns »Sohn« oder pom. samien, saml. laucks »Acker«. Das Neutrum war im Pomesanischen weiter verbreitet als im SamlĂ€ndischen.

Morphologie

Substantive

Im Gegensatz zum Lettischen und Litauischen kennt das Altpreußische ein neutrales Genus der Substantive. Neben den drei Genera (Maskulinum, Femininum, Neutrum) existieren im Altpreußischen zwei Numeri (Singular und Plural), der Dual ist lediglich in Restformen greifbar. Nicht alle Kasusformen können mit Hilfe des Korpus belegt werden. Zu den Kasusformen, die eindeutig belegt sind, zĂ€hlen: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ und Vokativ. Ein Instrumental, wie er in den ostbaltischen Sprachen vorhanden ist, kann nicht eindeutig nachgewiesen werden. FĂŒr die Existenz eines Lokativs gibt es keine eindeutige Belegstelle.

Adjektive

Wie das Lettische und das Litauische hat auch das Altpreußische 3 StĂ€mme der unbestimmten Adjektive. Die vorliegenden Texte weisen jedoch nur eine kleine Anzahl von Adjektiven auf, so dass eine genaue Differenzierung kaum möglich ist. Es können Komparativformen gefunden werden, die Ähnlichkeiten zu den litauischen Formen aufweisen. Eine vollstĂ€ndige Belegung fĂŒr alle Kasus kann mit nur einem Adjektiv nicht erreicht werden.

Verben

Wie bei den anderen Wortklassen ist die Bestimmung der Verbformen schwierig und hĂ€ufig aus den vorhandenen Materialien nicht zu konstruieren. Gesichert nachzuweisen sind die drei Tempora PrĂ€sens, PrĂ€teritum und Futur und die vier Modi Indikativ, Imperativ, Optativ, Konditional. Wie bei den ostbaltischen Sprachen sind die Formen fĂŒr die 3. Person Singular und Plural gleich. Es treten reflexive und nicht reflexive Verbformen auf.

Aus den vorliegenden Texten kann auf die Infinitivendungen -t, -twei, -tun geschlossen werden.

Zahlwörter

Kardinalia

| Deutsch | Altpreußisch | Litauisch | Lettisch |
|---|---|---|---|
| eins | ains | vienas | viens |
| zwei | dwai | du | divi |
| zehn | dessimpts | deĆĄimt | desmit |

Ordinalia

| Deutsch | Altpreußisch | Litauisch | Lettisch |
|---|---|---|---|
| erster | pirmas | pĂŹrmas | pirmais |
| zweiter | antars | añtras | otrais |
| dritter | tÄ«rts | tráșœÄias | treĆĄais |
| vierter | kettwirts | ketviƙtas | ceturtais |
| fĂŒnfter | piēncts | peñktas | piektais |
| sechster | uschts | ĆĄáșœĆĄtas | sestais |
| siebter | septmas | septintas | septītais |
| achter | asmus | aƥtuñtas | astotais |
| neunter | newīnts | deviñtas | devītais |
| zehnter | dessīmts | deƥimtas | desmitais |

Vom Altpreußischen beeinflusste Dialekte

Im Jahr 1924 stellte Walther Ziesemer fest, dass die altpreußische Sprache, abgesehen von einer großen Masse an Orts- und Flurnamen, in den deutschen Dialekten Ostpreußens kaum sprachliche EinflĂŒsse hinterlassen habe. In die Kanzleisprache des Deutschen Ordens wurden nur wenige prußische Vokabeln aufgenommen, zum Beispiel sweike 'Arbeitspferd', witing 'Ordensdiener prußischer Herkunft' oder perlenke 'GebĂŒhr, gebĂŒhrender Anteil'. Das letzte Wort sei noch im 18. Jahrhundert gebrĂ€uchlich gewesen.cite-ref-11[11] Der Wortschatz der rezenten deutschen Dialekte habe nur relativ wenige prußischstĂ€mmige Vokabeln umfasst. Am Weitesten verbreitet waren Margell „MĂ€dchen“ (außer im Breslauschen), Kujel „Eber“ und Kaddig „Wacholder“.cite-ref-12[12]

Der „breite Tonfall“ der deutschen Dialekte Ostpreußens geht laut Reinhard Schmoeckelcite-ref-13[13] auf altpreußischen Einfluss zurĂŒck.

Neupreußisch

Seit den 1980er Jahren gibt es mehrere Versuche, das Preußische als neue gesprochene Sprache zu reanimieren. Mittlerweile wurden schon WörterbĂŒcher und Grammatiken fĂŒr diverse Formen des rekonstruierten (Neu-)Preußisch veröffentlicht. Publizierte Texte beschrĂ€nken sich jedoch meist auf Gedichte und Lieder. Die Verfechter des Neupreußischen benutzen hĂ€ufig im Deutschen den Namen Prußisch fĂŒr ihre Sprache.

Inspiriert vom Buch Nur der Name blieb von Heinrich Gerlach wurde 1980 in Dieburg der Verein Tolkemita gegrĂŒndet, der die Wiederbelebung und Aufrechterhaltung der altpreußischen Kultur und Sprache anstrebt. Der Verein wurde nach dem Geburtsort des Mönches Simon Grunau benannt.cite-ref-14[14] Diese VereinsgrĂŒndung, der spĂ€ter Ă€hnliche folgten, kann als Anstoß der Wiederbelebung der prußischen Sprache betrachtet werden. Bereits im Jahre 1985 veröffentlichte der in Rastenburg in Ostpreußen 1919 geborene Schriftsteller, Maler und Buchillustrator Heinz Georg Podehlcite-ref-15[15] als erster Gedichte in einer rekonstruierten neuprußischen Sprache.cite-ref-16[16]

GĂŒnther Kraft-Skalwynas, der Verfasser einer neuprußischen Grammatik (Grammatika nāun-prĆ«siskas billās, 1989), veröffentlicht ebenfalls mehrere poetische StĂŒcke. Er wurde von Letas Palmaitis kritisiert, es sei weniger Prußisch als vielmehr ein auf dem Lettischen basierendes „Baltic Esperanto“ (baltisches Esperanto).cite-ref-17[17] Palmaitis, selbst Verfechter des experimentellen und rekonstruierten Prußisch, veröffentlichte fĂŒr die Brotherhood PRĆȘSA ebenfalls mehrere Texte in einem neuprußischen Idiom, wobei er sich vor allem auf die wissenschaftlichen Arbeiten von Vladimir Toporov und Vytautas MaĆŸiulis abstĂŒtzt. Andere Wege geht wiederum Mikkels Klussis, der ein Wörterbuch des rekonstruierten, auf den drei Katechismen beruhenden, pomesanischen Dialekts herausgab. Daneben gibt es noch weitere weniger bekannte Versuche.

Nach der Auflösung der Sowjetunion erhielt das Neuprußische eine politische Dimension. Damals wurden Ideen einer Baltischen Föderation zwischen Estland, Lettland, Litauen und dem ehemals preußischen Kaliningrader Gebiet vorgetragen, in der das Neuprußische eine der offiziellen Sprachen des „Kantons Borussia“ sein sollte.cite-ref-18[18]

Rekonstruktion

Aufgrund des relativ kleinen ĂŒberlieferten Textkorpus wird die prußische Grammatik mit Methoden der vergleichenden Sprachwissenschaft rekonstruiert. DarĂŒber hinaus gibt es auch Versuche, eine neuprußische Sprache zu erschaffen,cite-ref-19[19] wobei es vor allem um die Erweiterung des Wortschatzes geht. So wird etwa nach Vytautas MaĆŸiulis angenommen, dass ein Wort im Preußischen existiert haben muss, wenn es im Litauischen, Lettischen und Slawischen erscheint.cite-ref-20[20] Manchmal missverstĂ€ndlich wird von Baltisten kritisiert, dass diese Versuche lediglich die praktischen BedĂŒrfnisse neopaganer Gruppen bedienen, ohne irgendwelchen Anspruch an eine akademische Rekonstruktion darzustellen.

Einen wichtigen Beitrag fĂŒr die prußische Sprache hat Letas Palmaitis geleistet. 2007 veröffentlichte er seine wissenschaftlichen Arbeiten ĂŒber die prußische Sprache: 1) Lexicon Borussicum Vetus. Concordantia et Lexicon Inversum. Bibliotheca Klossiana I, Universitas Vytauti Magni, Kaunas 2007; 2) Old Prussian written Monuments. Facsimile, Transliteration, Reconstruction, Comments. Bibliotheca Klossiana II, Universitas Vytauti Magni, Kaunas 2007.

Weblinks

Wiktionary: Altpreußisch

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wiktionary: Prußisch

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur

Zeitgenössische Drucke

‱ Martin Luther: Catechismus jn preĂŒĂŸnischer sprach \ vnd da gegen das deĂŒdsche. Druck: Hans Weinreich, Königsberg 1545 (staatsbibliothek-berlin.de [abgerufen am 12. Dezember 2024]).
‱ Martin Luther: Catechismus jn preĂŒĂŸnischer sprach \ gecorrigiret vnd dagegen das deĂŒdsche. Druck: Hans Weinreich, Königsberg 1545 (staatsbibliothek-berlin.de [abgerufen am 12. Dezember 2024]).
‱ Martin Luther: Enchiridion. Der kleine Catechismus Doctor Martin Luthers. Teutsch vnd Preussisch. Hrsg.: und Übersetzer: Abel Will. Druck: Johann Daubman, Königsberg 1561 (staatsbibliothek-berlin.de [abgerufen am 12. Dezember 2024]).

Übersichtswerke

‱ Vytautas Rinkevičius: Altpreußisch. Geschichte – Dialekte – Grammatik. Herausgegeben von Harald Bichlmeier, ĂŒbersetzt von Harald Bichlmeier und Silke Brohm. Baar, Hamburg 2017, ISBN 978-3-935536-47-9.
‱ Rainer Eckert, Elvira-Julia BukevičiĆ«tė, Friedhelm Hinze: Die Baltischen Sprachen. Eine EinfĂŒhrung. Langenscheidt, Leipzig 1994.
‱ Wolfram Euler: Das Altpreußische als Volkssprache im Kreise der indogermanischen und baltischen Sprachen. Innsbrucker BeitrĂ€ge zur Sprachwissenschaft, VortrĂ€ge und kleinere Schriften 39, Innsbruck 1988, ISBN 3-85124-595-4.
‱ William R. Schmalstieg: Studies in Old Prussian. Pennsylvania 1976, ISBN 978-0-271-01231-5.
‱ Vytautas MaĆŸiulis: PrĆ«su̜ kalbos istorinė gramatika. (Historische Grammatik der prußischen Sprache) Vilniaus Universiteto Leidykla, Vilnius 2004.
‱ Jānis EndzelÄ«ns: Altpreußische Grammatik. Riga 1944.

Textsammlungen

‱ Old Prussian Written Monuments. Facsimile, Transliteration, Reconstruction, Comments. Bibliotheca Klossiana II, Universitas Vytauti Magni Lithuanians’ World Center, Kaunas 2007.
‱ Vytautas MaĆŸiulis: PrĆ«su̜ kalbos paminklai. (DenkmĂ€ler der prußischen Sprache) Mokslas, Vilnius 1966/1981.
‱ Reinhold Trautmann: Die altpreußischen SprachdenkmĂ€ler. Göttingen 1910.

WörterbĂŒcher

‱ Kristina Brazaitis: Johannes Bobrowski: Pruzzische Vokabeln: An Old Prussian Glossary. University of Otago, 2010, ISBN 978-0-9582716-5-3.
‱ Vytautas MaĆŸiulis: PrĆ«sĆł kalbos etimologijos ĆŸodynas. Mokslas, Bd. 1–4, Vilnius 1997–1988 (Altpreußisches etymologisches Wörterbuch).
‱ Ferdinand Nesselmann: Thesaurus linguae prussicae. Berlin 1873 (Digitalisat in der Open Library).

Namenkunde

‱ Heinz Georg Podehl: 4444 ostpreußische Namen prußisch erklĂ€rt. Rautenberg, Leer 1987, ISBN 3-7921-0356-7.
‱ Reinhold Trautmann: Die altpreussischen Personennamen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1925 (unverĂ€nderter Nachdruck 1974).
‱ Georg Gerullis: Die altpreußischen Ortsnamen gesammelt und sprachlich behandelt. Walter de Gruyter, Berlin/Leipzig 1922 (Digitalisat bei der Deutschen Nationalbibliothek).

Weblinks

Wikisource: Altpreußische WörterbĂŒcher

– Quellen und Volltexte

Test-Wikipedia auf Altpreußisch

Altpreußisch (nur wissenschaftliche Arbeiten)

‱ Rainer Eckert: Altpreußisch. In: MiloĆĄ Okuka, Gerald Krenn (Hrsg.): Lexikon der Sprachen des europĂ€ischen Ostens (= Wieser-EnzyklopĂ€die des europĂ€ischen Ostens. Band 10). Wieser Verlag, Klagenfurt/Celovec 2002, ISBN 3-85129-510-2, S. 589–596 (aau.at [PDF; 241 kB] AusfĂŒhrlicher Lexikonartikel).

Borussica im Allgemeinen, Rekonstruiertes Neuprußisch

‱ Zur Rekonstruktion des Altpreußischen (englisch)
‱ The quick dictionary of Revived Prussian, („Kurzwörterbuch des wiederbelebten Prussischen: Mundart Samland und Mundart Pomesanien“), Onlinewörterbuch einer „neu-prussischen“ Internetseite aus Litauen und PDF-Ausgabe dazu (englisch).
‱ PrĆ«sas Tāutas Prēigara – Preußische Zeitung »PrĆ«sas Tāutas Prēigara« (preußisch).
‱ Elbinger deutsch-preußische Vokabular von circa 1350 (PDF-Datei; 8,87 MB).
‱ Mehrsprachiges Altpreußisches Wörterbuch nach dem etymologischen Wörterbuch von Vytautas MaĆŸiulis 1988–1996.

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Rainer Eckert: Altpreußisch. In: Wieser EnzyklopĂ€die des europĂ€ischen Ostens. UniversitĂ€t Klagenfurt, 1. Dezember 2006, abgerufen am 17. Januar 2024.
cite-note-22. ↑ Wolfram Euler: Das Altpreußische als Volkssprache im Kreise der indogermanischen und baltischen Sprachen. Innsbrucker BeitrĂ€ge zur Sprachwissenschaft, VortrĂ€ge und kleinere Schriften 39. Innsbruck 1988, ISBN 3-85124-595-4, S. 33
cite-note-33. ↑ Old Prussian Basel Epigram
cite-note-44. ↑ Reinhold Trautmann: Die altpreußischen SprachdenkmĂ€ler. Einleitung, Texte, Grammatik, Wörterbuch. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1910, S. XXIII.
cite-note-55. ↑ Ilja Lemeơkin: Petrus Wickerau vs. Petrus Turnau. Kretos pėdsako autorystės klausimu. (litauisch, „Petrus Wickerau vs. Petrus Turnau. Zur Frage der Urheberschaft der kretischen Glosse.“ In: Baltistica XLIX (1), Vilnius 2014, S. 139–161, zur Übersetzung besonders S. 150 (zum Download bei Google Scholar).
cite-note-66. ↑ Pietro U. Dini: Foundations of Baltic Languages. Vilnius 2014 (zum Download), S. 332 (Digitalisat bei Webarchive); Vortrag des Baltisten Vytautas Rinkevičius von der UniversitĂ€t Vilnius ĂŒber die Prußische/Altpreußische Sprache (auf Litauisch mit englischen Untertiteln), zum Kretischen Kurztext min. 9:00–9:53.
cite-note-77. ↑ Petrus Turnau in der ADB
cite-note-88. ↑ Verlag Regionalkultur: Sudetendeutsche und pfĂ€lzische Priester in den Diözesen Speyer und Leitmeritz., Fußnote 42, S. 8.
cite-note-99. ↑ Vytautas Rinkevičius: Altpreußisch. Geschichte – Dialekte – Grammatik. Baar, Hamburg 2017, S. 31–96.
cite-note-1010. ↑ Vytautas Rinkevičius: Altpreußisch. Geschichte – Dialekte – Grammatik. Baar, Hamburg 2017, S. 97–119.
cite-note-1111. ↑ Walther Ziesemer: Die ostpreußischen Mundarten. Proben und Darstellung. Hirt, Breslau 1924, S. 116 (Digitalisat).
cite-note-1212. ↑ Ziesemer, S. 134.
cite-note-1313. ↑ Reinhard Schmoeckel: Die IndoeuropĂ€er: Aufbruch aus der Vorgeschichte. Vollst. ĂŒberarb. und aktualisierte Ausg. des erstmals 1982 im Rowohlt-Verl. erschienenen Werkes „Die Hirten, die die Welt verĂ€nderten“, 2. Auflage. Bastei-LĂŒbbe, Bergisch Gladbach 1999, ISBN 3-404-64162-0, S. 536: „Nur der breite Tonfall des ostpreußischen deutschen Dialekts erinnerte noch an die fremde Sprache, die diesen Dialekt mitgestaltet hat.“
cite-note-1414. ↑ Endre Bojtár: Foreword to the past. A Cultural History of the Baltic People. Budapest 1999, ISBN 963-9116-42-4, S. 209.
cite-note-1515. ↑ Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, LĂŒbeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 954.
cite-note-1616. ↑ Heinz Georg Podehl: Was ist das, Prussisch? In: Baltisches Jahrbuch. 1985, S. 162–164.
cite-note-1717. ↑ Letas Palmaitis: Kraft Skalwynas G.: Grammatika prĆ«siskas kalbas, pobānda swaises ernausnas. FĂŒr Freunde in der Tolkemita. In Baltistica, XXV/2 (1989), S. 186.
cite-note-1818. ↑ Tomas Venclova: Borusija – ketvirtoji Baltijos respublika? In Akiračiai, 1995/1, S. 1–13.
cite-note-1919. ↑ vgl. prussian
cite-note-2020. ↑ vgl. Klussis M.: Deutsch-Prußisch-Deutsch [Lexikon des experimentalen Prußischen]. Bibliotheca Klossiana, Lingua Borussica Nova IIc, Lithuanians’ World Center, Kaunas 2007.